Station 1

Das Jakob-Gliber-Museum im Gemeindehaus Ainet 

a)      https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_G/Gliber_Jakob_1825_1917.xml

b)      Gliber plante  in seinem Heimatort Ainet eine Art Kulturzentrum zu errichten, das einerseits seine Sammlung eigener und fremder Werke aufnehmen sollte und andererseits einen Saal zur Aufführung literarischer und musikalischer Werke beinhalten sollte. In seinem Nachlass fand sich u.a. das gesamte Stimmenmaterial eines Symphonieorchesters zu Ausschnitten aus Haydns „Jahreszeiten“ oder Mozarts „Zauberflöte“, sowie Klavierauszüge zu Opern und Oratorien, u. a. Beethovens „Christus am Ölberg“. Was wäre da wohl entstanden, hätte der damalige Gemeinderat dem Bauansuchen seinen Segen erteilt? Hätte der Visionär Gliber den Grundstein gelegt für Aineter Festspiele“?

In seinen Lebenserinnerungen erwähnt Gliber seinen Plan, in Ainet ein Kulturhaus zu errichten, wohl aus Enttäuschung über das Scheitern des Projektes, mit keinem Wort. In mehreren zeitgenössischen Zeitungs- bzw. Zeitschriftenartikeln ist aber die Rede davon, z. B. in Das Deutsche Volkslied. Zeitschrift für seine Kenntnis und Pflege 7 (1905). (–> a: „Ein Hilferuf aus Tirol“) In der nächsten Nummer der Zeitschrift bedankte sich die Gemeindevertretung noch in überschwänglichen Worten für das Engagement Glibers.     (–> b: Dank der Gemeindeführung) Wenn er schreibt, das Haus „mit Beihilfe [s]eines Bruders“ zu finanzieren, so meint er wohl seinen um drei Jahre jüngeren Bruder Gabriel, Bürgerschullehrer in Wien. Der starb aber schon im Jahr danach (1906) und so fand er offenbar im Aineter Lehrer Anton Wieser einen neuen Companion. Jedenfalls wird dieser am „Ansuchen […] betreff Bauplatz u. Zustimmung zu beantragtem Bau eines Hauses mit Theater oder Concert-Saal samt Wohnungen“, das der Gemeinderat allerdings einstimmig ablehnte, angeführt. (–> c: der „Undank“, Orig. in Vitrine      ) Gliber scheint den ehrgeizigen Plan aber weiterverfolgt zu haben, denn ein im Archiv der Gemeinde Ainet aufliegender Plan mit Gliber als alleinigem Bauwerber datiert vom Jänner 1912. (–>  d: Plan Gliber) Das Haus wurde später in „abgespeckter“ Form, d. h. ohne Konzertsaal, vom Lehrer Wieser erbaut (à e: Plan Wieser April 1912). 

Aus dem „Konzertsaale“ war nun ein Stadel geworden!  Das Haus steht noch heute, allerdings in mittlerweile stark veränderter Form. 

(–> f: Ansichtskarte Villa Wieser) 

 

   a) Ein Hilferuf aus Tirol

Zitat

  

Das Deutsche Volkslied. Zeitschrift für seine Kenntnis und Pflege 7 (1905), S. 87

Transkr.: 

Ich habe eine hübsche Sammlung von Bildhauerarbeiten, teils von mir, und manches 
gesammelt, auch habe ich ein Harmonium, zwei Violinen, eine Viola und ein Cello, auch eine 
Gitarre und eine Liedersammlung. Diese Gegenstände möchte ich für die Zukunft nicht zer-
streut wissen, und habe der Gemeinde den Vorschlag gemacht, daß mir die Gemeinde das 
nötige Material liefert für eine schöne Bildhauerwerkstätte, und ein nettes Gesangs- und 
Musikzimmer; die Baukosten möchte ich mit Beihilfe meines Bruders bestreiten.
Nach meinem Ableben schenken wir den bau und die ganzen Kunst- und Musikgegen-
stände der Gemeinde; es darf aber nichts verkauft werden, und muß den Kunstfreunden gegen 
ein mäßiges Eintrittsgeld zur Verfügung gestellt werden.

 

 b) Der Dank der Gemeindevertretung

 

Zitat

Das Deutsche Volkslied. Zeitschrift für seine Kenntnis und Pflege 8 (1906), S. 51 f.

                                                        

                                                                 Herrn Jakob Gliber.

                                                       Euer Wohlgeboren!

                                 Mit großer Freude haben wir in der Zeitschrift

                                                    „Das Deutsche Volkslied“

5. Heft, Mai 1905, Ihre Bitte an den Herrn Vorstand des Deutschen Volksgesangsvereines ge=

lesen. Sie haben hierdurch neuerdings bewiesen, daß Ihnen unsere Not, welche Sie im ge=

nannten Schreiben so wahrheitsgetreu schilderten, zu Herzen geht, und wie Sie bestrebt sind,

uns, als Ihrer Heimatgemeinde, Hilfe zu bringen, was auch gewiß durch Verwirklichung

Ihres sehr geschätzten, und im genannten Schreiben angedeuteten Planes geschehen würde.

Es wäre hierdurch auch dem Wiederaufleben des Gesanges in unserer Gegend sehr bedeutend

Vorschub geleistet, was gewiß der Wunsch aller ist.

              Nehmen Sie, lieber Herr Gliber, unseren aufrichtigen Dank für Ihr Bemühen, und

gestatten Sie die innige Bitte, in der Sorge für uns fortzufahren, und zu tun, wie Ihr gutes

Herz es Ihnen anzeigt.

                                                                                        In aller Hochachtung

   Ainet, am 20. Mi 1905, für die Gemeindevertretung

                                                                                                  Alois Heidenberger, Vorsteher.

                                                                                                  Peter Lercher, I. Gemeinderat.



c)  Der „Undank“ der Gemeindeführung

Originaltext

                                                 Textansicht

 

 

 

Protokoll über die „Gde. Ausschuß-Sitzung zu Ainet“, 24.09.1911


Protokoll

über die Gde. Ausschuß=Sitzung zu Ainet

am 24. September 1911.

Gegenwärtig 7 Ausschüsse. Entsch. Abwesend:  J. Lukasser.

Gegenstand

ist das Ansuchen des Herrn Lehrers Anton

Wieser im Verein mit Jakob Gliber, Bildhauer

betreff Bauplatz u. Zustimmung zu beantragtem

Bau eines Hauses mit Theater oder Concert=Saal

samt Wohnungen nach dem vorgelegten Plane.

Nach Verlesung des Ansuchens, des Kostenvoran=

schlages,  des Ausweises betr. die Aufbringung

der erforderlichen Geldmittel und des Baupla=

nes wurde die Debatte hierüber eröffnet.

Da der Kostenvoranschlag nach Ansicht sämtl.

Ausschußmitglieder eine bedeutend zu niedriger, 

der Ausweis betr. die Aufbringung der Gelder

In manchen Posten nur in kaum bindenden 

Versprechungen u. Mutmaßungen bestehen, 

so daß der Fehlbetrag ein viel größerer

als der angegebene sein wird, und besonders

weil der Bau als gar nicht notwendig erachtet 

wird, da für Sänger u. Musikproben das große 

Zimmer im Gemeindehause zur Verfügung

steht,  u. für andere Versammlungen, wie die

Erfahrung zeigt, das Gasthaus Haidenberger 

seine Lokale zur Verfügung stellt:

Beschließt der Gemeinde Ausschuß einstimmig,

den Bau eines Hauses zu dem im Gesuche an=

gegebenen Zwecke, da dieser für die Gemein=

de nicht notwendig erachtet wird, wird nicht

bewilliget, und ein Platz hiefür nicht

gegeben, da die Verhältnisse und Voraus=

setzungen, welche beim Ansuchen des Jakob

Gliber vorhanden waren, teilweise ver=

schwunden, teilweise andere geworden

sind.

P.P. Lercher

Andrä Meßner

Franz Obertscheider

Jakob Gliber

Johann Egger

Florian Mair

 

 

 d) Der Plan Gliebers vom Jänner 1912

Plan


e) Der „abgespeckte“ Plan Wiesers vom April 1912

Plan



Verwirklicht, d.h. gebaut wurde schließlich nur das Wohnhaus des Schulleiters Wieser, die sog. „Villa Wieser“, hier auf einer AK 1931/32, davor postiert die „Landsturm-Abtheilung Ainet“.


  Wohnhaus Schulleiter

 

 f)  Die sog. „Villa Wieser“ auf einer AK 1931/32“, davor postiert die „Landsturm-Abteilung Ainet“