Station 2

Die Modelle für die Tabernakel-Engel in Buchkirchen/OÖ

1892 war Gliber nach 12 Jahren in Admont wieder in Osttirol, wo er nach einem kurzen Intermezzo in Amlach das damalige Leisacher Gemeindehaus, das sog. Schwingerhaus,  mietete, das er 21 Jahre lang bewohnte und sich mit kleineren Arbeiten, u. a.  zwei Tabernakelengeln für die Pfarrkirche in Buchkirchen/OÖ, seinen Lebensunterhalt verdiente.

Darüber schreibt er in seinen Lebenserinnerungen: 

 Originaltext

Abb. 1: aus den Lebenserinnerungen von Jakob Gliber, im Nachlass des Künstlers, S. 39


Transkription: 

Juni 1892

In Amlach habe ich eine Wohnung genommen, in Lienz am
Bahnhof waren die Dienstleute gerade beim Ausladen von
meinen Modellen und Werkzeug , habe dan gleich um 2 Wägn 
geschaut, und die Sachen nach Amlach transportiert und in 
2 Zimmer die Sachen mit harter Mühe untergebracht, gekocht
habe ich mir selbst mit einem Petroleum Ofen. 
Dann habe ich mich um Arbeit umgesehen, und hab durch einen(n)
Pater 2 Engel in Stein für einen Tabernakel nach Buchkirchn
in Oberösterreich bekommen; habe dan gleich die Modelle
gemacht, im Herbst 92 war ich damit fertig. 
Die Wohnung in Amlach war nicht praktisch für mich, und habe 
in Leisach das Schwinerhaus  auf 20Jahre gepachtet. Apr 1893
habe mir große Fenster machen lassen, daß die Zimmer
sehr licht geworden, habe mir den Stein bestellt für die
Engeln, und in diesem herrlichen Licht habe ich wohl
mit großer Freude und Lust daran gearbeitet; bis 
Herbst bin ich damit fertig geworden. Ich mußte die Engel 
gleich verpacken und fort schicken, und dann auch nach Buchkirchn 
fahren und dort beim Tabernakel aufstellen, am Samstag 
bin ich fertig geworden, und Sonntag waren die Leute
ganz entzückt, wie sie alles so gelungen beisammen gesehen haben
Auf Mittag war ich beim Pfarrer eingeladen, und dann bin 
ich wieder nach Haus gefahren.

 

Buchkirchen ist eine Marktgemeinde in Oberösterreich im Bezirk Wels-Land im Hausruckviertel mit 4059 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2015). Um die Mitte des 12. Jahrhunderts wurde im heutigen Ort Buchkirchen ein Gotteshaus errichtet und Jakobus dem Älteren geweiht. 

Es  war Zentrum und Kirchort für die umliegenden Siedlungen. Im Jahr 1450 wurden die Kirche und der Pfarrhof ein Raub der Flammen. Um- und Wiederaufbau erfolgten im spätgotischen Stil. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts wurde die Kirche barockisiert.

Das alte Hochaltarbild, das eine Szene aus dem Leben des Hl. Jakobus darstellte, und die beiden heute noch vorhandenen Seitenaltarbilder (Taufe und Kreuzigung Jesu) datieren in das Jahr 1798 und stammen von Martin Johann Schmidt, genannt Kremser Schmidt. 

In den Jahren 1889/90 wurde das Gotteshaus durchgreifend erneuert. 1893 stattete man es mit einem neuen Hochaltar, dem das alte Gemälde von Schmidt weichen musste, aus. Der Entwurf des Altars stammte von Johannes Maria Reiter aus Hall in Tirol, ausgeführt wurde die Arbeit von Kunststeinmetz Leopold Seeber aus Innsbruck in Laaser- und Trientiner Marmor. Die Kosten beliefen sich auf 7.027 fl. (Gulden).

 

Die beiden Tabernakelengel  Glibers finden hier also keine Erwähnung.
P. Adalbert Krause, damals Stiftsarchivar in Admont, richtete, wohl in Zusammenhang mit seinem Aufsatz über Glibers Arbeiten in Admont eine Anfrage an den damaligen Pfarrer von Buchkirchen bezüglich der beiden Tabernakelengel. 

Woher Krause die Informationen über Glibers Arbeiten für Buchkirchen hatte, liegt im Dunkeln, denn laut Anmerkung im Aufsatz in den „Tiroler Heimatblättern“ hatte er von Glibers Lebenserinnerungen lediglich die Seiten 1 bis 31 eingesehen, und die Erwähnung des Auftrages für Buchkirchen findet sich darin erst auf S. 39 (siehe oben!). Der Buchkirchener Pfarrer scheint nur in der  Kirchenchronik nachgesehen zu haben, wo Gliber aber offenbar namentlich nicht erwähnt ist. 

Jedenfalls antwortete er Krause folgendermaßen: 
„[…] Sie wurden tatsächlich laut Chronik im Jahre 1891 von einem Kunst-Steinmetz aus Wilten in der Höhe von 1m als ganze Engel geliefert. Der Name des Künstlers ist Leopold Seeber, so glaube ich, ist der Name zu entziffern. Die Engel sind noch wohlbehalten und befinden sich zu beiden Seiten des Tabernakels als Oranten. Das Material ist nicht Marmor wie der Altar und Tabernakel, sondern ‚Arkostein‘. Auch dieses Wort ist schwer leserlich. Die Anfertigung kostete 600.- Gulden. […]“.

Und als NB.: „Das Wort ‚Seeber‘ lässt sich bestimmt nicht als Gliber entziffern.“

 

Die beiden Tabernakelengel

Abb.  : der Hochaltar in der Pfarrkirche St. Jakob in Buchkirchen mit den beiden Tabernakel-Engeln von Gliber 

 

 

Dabei hätte der Pfarrer nur einen  Blick auf die Engel werfen müssen. Am Faltenwurf über dem rechten Fuß des rechten  ist deutlich zu lesen: „I. Gliber 1893“

 

Die ÖKT beschreibt den Altar so: „Sarkophagmensa in grauem Marmor, gebaucht, reich profilierter Sockel und Deckplatte, Riefelung, Volutenpilaster mit geflügelten Engelsköpfen. Tabernakelaufbau: In der Sockelzone volutengesäumte und –bekrönte Türe mit Relief Pelikan mit Jungen, vergoldet. Tabernakel in Form eines halben zylindrischen Tempiettos, besetzt von vier korinthischen Säulen vor Pilasterrücklagen, verkröpftes Gebälk, darüber kleine Kuppel über Volutenanlauf. An der Türe Kruzifixus vor Strahlenkreuz in Oval, umgeben von Akanthusranken, durchbrochene Metallarbeit, vergoldet. In der Lunette Relief Gottvater, darüber zwischen den Voluten Lamm mit Sieben Siegeln. Seitlich auf der Altarstaffel zwei anbetende Engel (aus Arco-Stein), bez. „I. Gliber 1893“. 

Nach Prokisch repräsentiert der Altar „ein in Oberösterreich vereinzelt dastehendes bemerkenswertes Beispiel für das Vordringen urbaner, nicht landschaftsgebundener Altarformen als Gegenbewegung zur gerade gegen Ende des Jahrhunderts sich bereits abzeichnenden Heimatkunstbewegung“. Möglicherweise oberitalienischer Einfluss (Canova-Nachfolge).

 

 

 Der rechte Tabernakelengel 

Abb.  : der rechte Tabernakel-Engel                                  


Signatur

Abb.  : die Signatur Glibers

 

 

 Text

 

Der Verfasser richtete im August 2015 eine Anfrage an das Pfarramt Buchkirchen und erhielt bald freundliche Antwort samt Fotos der Engel  von Gliber und damit die Bestätigung, dass die sich die Gliber’schen Engel noch am Altar befinden.


Der Name des von Gliber erwähnten Paters findet sich  in der Geschichte der Gemeinde Buchkirchen“ und in der Österreichischen Kunsttopographie.

Dort hat allerdings das Fehlerteufelchen zugeschlagen: Gliber wurde geographisch einigermaßen verwirrend verortet:

„Lt. Inschrift auf der Rs. Figuren von Bildhauer Jakob Gliber aus Laibach bei Lienz“.

Diese geographische Ver(w)irrung wiederholt sich in Anm. 30 auf S. 125. (Noch dazu wird dort das Geburtsjahr  Glibers fälschlicherweise mit 1815 angegeben. Demnach wäre Gliber gar 102 Jahre alt geworden!)

 

Text

Text

Abb.   : Österreichische Kunsttopographie, Bd. LVIII (Die Kunstdenkmäler des Gerichtsbezirkes Wels), Horn 2009, S. 125 mit der falschen geografischen Verortung

 

Der auf der HP von Buchkirche als Altarplaner genannte P. Johannes Maria Reiter wurde am 24. Mai 1851 in Lienz als Alois Reiter geboren. Er trat 1870 in den Franziskanerorden ein und wählte den Ordensnamen Johannes Maria. Nach Theologiestudium und Priesterweihe 1874 wirkte er als Theologielektor in verschiedenen Klöstern der Tiroler Provinz und von 1886 bis 1899 auch als Religionslehrer am Haller Franziskanergymnasium. Neben seiner Lehrertätigkeit war er, ohne jede fachliche Schulung, als Planer von Kirchen und deren Ausstattung tätig. Er schuf Pläne und Entwürfe für 16 Kirchenbauten, u. a. in Innervillgraten, 200 Altäre, 12 Beichtstühle, 19 Kanzeln und 8 Orgelprospekte. Er leitete die Restaurierung von 34 Kirchen und malte 15 Altarbilder sowie 12 Heilige Gräber. 

In seinen späten Jahren stand er mit seinen Ideen oft im Gegensatz zur Zentralkommission für Denkmalpflege. 

Nach 1945 wurden seine Werke im neugotischen und neuromanischen Stil aus puristischen Bestrebungen großteils wieder entfernt. 

P. Johannes Maria Reiter starb am 14. Februar 1924 in Maria Schmolln/NÖ.

 

 

P. Johannes Maria Reiter 

Abb.  : P. Johannes Maria Reiter
http://www.sbg.at/franziskaner/provinzarchiv/pa_johannes_maria_reiter.JPG


Der auf der HP von Buchkirchen[1] als Altarplaner genannte P. Johannes Maria Reiter wurde am 24. Mai 1851 in Lienz  als Alois Reiter geboren. Er trat 1870 in den Franziskanerorden ein und wählte den Ordensnamen Johannes Maria. Nach Theologiestudium und Priesterweih1874 wirkte er als Theologielektor in verschiedenen Klöstern der Tiroler Provinz und von 1886 bis 1899 auch als  Religionslehrer am Haller Franziskanergymnasium. Neben seiner Lehrertätigkeit  war er, ohne jede fachliche Schulung, als Planer von Kirchen und deren Ausstattung tätig. Er schuf Pläne und Entwürfe für 16 Kirchenbauten, u. a. in Innervillgraten, 200 Altäre, 12 Beichtstühle, 19 Kanzeln und 8 Orgelprospekte. Er leitete die Restaurierung von 34 Kirchen und malte 15 Altarbilder sowie 12 Heilige Gräber. 

In seinen späten Jahren stand er mit seinen Ideen oft im Gegensatz zur Zentralkommission für Denkmalpflege. Nach 1945 wurden seine Werke im neugotischen und neuromanischen Stil aus puristischen Bestrebungen großteils wieder entfernt. P. Johannes Maria Reiter starb am 14. Februar 1924 in Maria  Schmolln/NÖ.

 

Wie der Kontakt zwischen Gliber und Reiter zustande kam, lässt sich nicht mehr eruieren. Aber der umtriebige Franziskanerpater war auch in Osttirol viel beschäftigt und wohl auch immer wieder vor Ort:

1876/77 war der Innenraum der Franziskanerkirche in Lienz unter seiner Leitung regotisiert worden. Erhalten blieb davon u. a. die Kanzel. 
1890 lieferte er die Pläne für die Umgestaltung der Einrichtung der Spitalskirche. 
1892/93, Gliber war 1892 nach Osttirol zurückgekehrt, wurde die Dekorationsmalerei nach Entwürfen Reiters in der Pfarrkirche Dölsach ausgeführt. 
Reiter entwarf auch den Großteil der Einrichtung der Pfarrkirche St. Martin in Innervillgraten. 
Die Bauarbeiten begannen 1893. 
Auch später war Reiter noch mehrmals in Osttirol tätig: 1900 entwarf er den Altar der Petronilla-Kapelle in Kals. 
1907/08 wurde der Turmabschluss der Stadtpfarrkirche St. Andrä nach seinem Entwurf neu gestaltet. 
1908 wurde in der  Franziskanerkirche ein gotisierender Altar nach seinen Plänen errichtet. (Er wurde 1975 durch den Flügelaltar von Jos Pirkner ersetzt.) 
1910 wurde die Pfarrkirche Leisach nach Plänen Reiters regotisiert.

 

Im ehemaligen „Schmied-Stöckl“ in Ainet, das der neuen Bundesstraße weichen musste, standen einst 2 Engel, polychrom gefasst wurden sie erst später vom Bildhauer Sebastian Rainer aus Schlaiten, die sich als Modelle der Buchkirchener Engel entpuppten. 

 

Gemälde von Anton Mariacher

 Das „Schmied Stöckl“ auf einem Gemälde von Anton Mariacher

 

 

StatueStatuen

Der linke mit den über der Brust gekreuzten Armen, in derselben Größe wie die die im Schmied-Stöckl, allerdings ohne Flügel, fand sich im Nachlass Glibers.