Station 3

Die Kreuzigungsgruppe im „Watschger Stöckl“                                                           

Hl. BlasiusDer Hl. Blasius von Jakob Gliber                                         


Im Februar 1866  - alle Schönheit der Immaculata, die er im Unterrichtsministerium eingebracht hatte, brachte  ihm nicht das ersehnte Stipendium für eine Italienreise, ein unbedingtes Muss damals für jeden bildenden Künstler  - aber  er erhielt den Auftrag, für den Hochaltar des Neubaus der Kirche eine Statue des Admonter Kirchenpatrons  St. Blasius in Stein zu schaffen . 800 Gulden sollte er dafür erhalten. Mit Freude und Stolz ging er in der Werkstatt seines Landsmannes und Förderers Johann Gasser, vom Kaiser geadelter Ritter von Wallhorn, ans Werk und vollendete den überlebensgroßen Stiftspatron, der selbst im kalten Winter des Gesäuses vor Halsleiden schützen soll,  in   Breitenbrunner Stein in nur 4 Monaten. Damit hatte er gewissermaßen den Fuß in der Klosterpforte. 1869aufgestellt, wurde  der Heilige  aus Sandstein, nachdem der Hochaltar aus Holz durch einen aus Carraramarmor ersetzt worden war, zu dem er allerdings   auch nicht recht passte, 1904 vom Innsbrucker Steinmetzmeister Josef Linser kopiert.Der Glibersche Blasius steht seitdem am Eingang zur Stiftsbibliothek.                   

  

Fast zeitgleich bewarb er sich um den Auftrag über die Passionsgruppe für den rechten Seitenaltar in der Stiftskirche, den sog. Kreuzaltar. 

Aus Glibers „Lebenserinnerungen“:

Text

 

Transkr.:

Die Kirche in Admont war  früher abgebran(n)t und da hat  das

Mnisterium die Blasius Statue für den Blasius=Münster geschenkt.

Wie ich gehört habe, dass ein Kreuzaltar von Holz mit vier lebens=

großen Statuen in Holz angeschafft wird, und da der Herr Prälat

In Graz (war?) bin ich hingefahren und habe ihn aufgesucht und angesucht

um den Kreuzaltar ? Da sagte er was ich verlange; 

Ich verlangte 1000 Gulden, das Zirbelholz dazu und die ganze

Verpflegung. Da wurde er sehr  aufgeregt und sagte:

 Sie unterstehen sich 1000 Gulden zu verlangen, Bildhauer Rind(?)

In Linz macht es um 500 Gulden verlangt keine Verpflegung und gibt

auch das Holz  dazu. Ich allein kann nicht entscheiden, Sie müssen eine

Eingabe ans Kapitel machen, und da wird man entscheiden.

 

 

Für 600 Gulden, Material  - die Gruppe sollte in Zirbenholz geschnitzt werden – Kost und Logis erhielt er den Zuschlag. Im Frühjahr 1867 übersiedelte er nach Admont und erfreute sich, wie er in seinen „Lebenserinnerungen“ schreibt, „der guten Verrpflegung“ und wohl auch des  zugesicherten täglichen Liters Konventwein.

 

In nur 4 Monaten vollendete er zur vollen Zufriedenheit des Auftraggebers das Werk. Es ist mit „J. Gliber 1869“ signiert. Noch im Dezember d.J. konnte der neue Altar eingeweiht werden. 

TextRechnung und Quittung über die Passionsgruppe sowie die Reparatur von 2 Figuren in Stein.

 

1870-01-05 Rechnung u. Quittung

C.I.A. 1 et 25 No.1 (?)

Rechnung 

Über verfertigte Arbeiten für das

Hochlöbliche Stift Admont:

a  zwei Statuen (in anderer Hs. eingefügt: Maria u. Josef) von Stein ausgebessert 100 fl

b  vier Statuen für den Kreuzaltar geschnitzt                                                                   600

c  die Statuen für den Kreuzaltar mit einer 

                            Farbe überzogen                                                                                          100

                                    zusammen                                                                                             800


Den ganzen Betrag von achthundert

Gulden richtig erhalten durch

Hochwürdigen Herrn H? Prälaten.

Admont den 5.Jänner 1870

Jakob Gliber

 

 

Ein Abguss der Passionsgruppe, er misst 60 cm,  fand sich , leider in stark beeinträchtigtem Zustand, am Dachboden des Geburtshauses des Künstlers. Der neugotische Rahmen lag in einer anderen Ecke des weiten Raumes unter Dach und wurde erst nach einiger Zeit als zur Passionsgruppe gehörig erkannt. Wenn auch nicht ganz dem Spitzbogen des „Watschger Stöckls“ entsprechend, wurde doch dieses als neue „Behausung“ für das vom Schlaitner Bildhauer Sebastian Rainer vorbildlich restaurierte Werk auserkoren und bildet nun die  3. Station des Skulpturen-Weges.

 

Gotischer SpitzbogenDer gotische Spitzbogen mit Resten einer Kulissenmalerei



 

ChristusDer Christus war besonders ramponiert

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 





                                                                                                                                     









GruppeDie Muttergottes unter dem Kreuz


 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

 

 


                                                                                                                                   

         

 GruppeDie Gruppe konnte, notdürftig zusammengeflickt, in der Ausstellung 2018 gezeigt werden.

 

Noch im Jänner 1870 kehrte Gliber nach Wien zurück und trat seine heiß ersehnte Italienreise an, während der er das im Museum im Gemeindehaus zu bewundernde Standkreuz mit der Signatur „Rom 1870“ und die Büste „Trauernde bzw. Betende Römerin“, für die ihm ein römisches Landmädchen Modell stand, schuf.

Aus seinen Lebenserinnerungen, S.31:

Text

Text



Transkr.: 

Werend der größten Hitze hab ic h eine Madona
Modellirt und ein Römisches Landmadel die Büste nach
der Natur ausgeführt, welches allgemein gefallen
hat. 

 

 

Beim „Kircher“ fanden sich 2 Abgüsse in Gips davon, einen weiteren besitzt das Museum der Stadt Lienz,  sowie ein Marmor-Rohling der Büste. Das besser erhaltene Modell in Gips vom „Kircher“, der Rohling in Carrara-Marmor mit den noch deutlich sichtbaren Graphitpunkten und eine vom Virgener Bildhauer Lukas Fuetsch mittels Punktiertechnik angefertigte Kopie demonstrieren im Museum im Gemeindehausfoyer diese Technik.

 

 Die Figuren der Passionsgruppe in Admont im Einzelnen

Christus

Statue

Statue

Statue