Station 4

Das Portraitrelief von Carl Juch

Ernst Juch, Glibers Wiener Künstlerfreund, war in den Sommermonaten regelmäßig zu Gast beim greisen Künstler in Leisach. 
Nach seiner Rückkehr nach Osttirol 1892, er hatte die 12 Jahre davor in Admont gelebt und gearbeitet, v.a. der Kreuzweg war entstanden, mietete Gliber, bereits 67 Jahre alt, für 20 Jahre das sog. „Schwingerhaus“, von den Leisachern mit Kopfschütteln quittiert.  Es sollten 21 Jahre werden. Erst 1914 kehrte der greise Künstler in sein Heimathaus in Ainet zurück. Anlässlich  einer Sommerfrische von Juch bei Gliber in Leisach  wird wohl das Portrait-Relief „Jakob Gliber arbeitet an einer Madonna“ entstanden sein, das an der Eingangsseite links neben der Haustüre in einem von Voluten umrahmten Rundbogen angebracht war. 

  

An der Vorderseite hatte Gliber selbst jeweils mittig 2 Reliefs angebracht: erbenerdig „Hl. Familie“ und auf  Höhe des ersten Stockes „Hl. Dreifaltigkeit“


SchwingerhausRelief HausGemäldeGemälde

Juch und Gliber verband auch die Freude am Gesang, insbesondere in den damals boomenden Männergesangsvereinen. Durch seine Aufenthalte in Leisach bei Gliber war Juch wohl auch  mit dem 1875 gegründeten „MGV Liederkranz Greifenburg“ i n Kontakt gekommen. 1891 nahmen die Kärntner Sänger am 30jährigen Bestandsjubiläum des „Lienzer Sängerbundes 1861“, dem Gliber nach seiner Rückkehr nach Osttirol 1892 beigetreten war und zu dessen Ehrenmitglied er 1914 ernannt wurde, teil.

Juch seinerseits wurde 1899 wegen seiner großen Verdienste um den „Liederkranz“ zum Ehrenmitglied ernannt. Er verbrachte seine Urlaube regelmäßig in Greifenburg und gestaltete Trinkhorn und Trinkbecher des Vereines, dokumentiert in einer künstlerisch gestalteten handschriftlichen Urkunde.

Als das Schwingerhaus saniert wurde, wurde das Juch -Relief entfernt . Der geschichtsbewusste Sepp Kalser – er verfasste das Leisacher Dorfbuch und machte die ersten Funde auf dem fanum Laiancorum, einem keltischen Tempelheiligtum  auf dem Klosterfrauenbichl in Lienz, rettete das Relief und es fand einen neuen würdigen Platz beim überdachten Hauseingang Kalser. Schon bei der Gliber-Ausstellung 2018 war das Relief eines der Glanzstücke und schon damals bot Kalser es dem Initiator als Geschenk an. Nun hat es im Jakob_Gliber-Museum in Ainet einen neuen Platz gefunden. Die Gemeinde Ainet ließ von der Fa. Wewstcam 2 Repliken anfertigen und von Malermeister Schusteritsch Sigfried polychrom , dem Original entsprechend, fassen. 

1 Exemplar bekam Herr Kalser gewissermaßen als Ersatz, das zweite bildet die 3. Station des Skulpturen-Weges Jakob Gliber auf dem Kirchplatz.


Juch GemäldeGemäldeDas Portraitrelief nach der Abnahme vom Schwingerhaus und die Replik von WestCam, polychromiert von Malermeister Siegfried Schusteritsch

    


Juch schuf auch  die im Aineter Jakob-Gliber-Museum ausgestellte Portraitbüste „Jakob Gliber“, ebenfalls von Glibers Freund Juch modelliert.

Sie war 2017 auf Schloss Bruck als „Karl Fuetsch“ ausgestellt, wurde jedoch vom Verfasser als Portrait des Aineter Bildhauers Jakob Gliber identifiziert und entsprechend berichtigt.

 PortraitbüsteDie Portraitbüste Jakob Gliber, hier noch mit der falschen Bezeichnung „Karl Fuetsch“ (links unten)


Die Büste wurde dem Aineter Museum vom Museum der Stadt Lienz dankenswerterweise als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.